Die Schweiz verfügt über ein stark reguliertes, aber vielschichtiges Versicherungssystem. Wer neu in der Schweiz ist – oder seine bestehenden Policen optimieren will – steht oft vor Fragen: Welche Versicherungen sind obligatorisch? Wie wähle ich die richtige Franchise in der Krankenkasse? Brauche ich Privathaftpflicht und Hausrat wirklich? Und wie passt die Autoversicherung zusammen mit der 3-Säulen-Vorsorge (AHV/IV, BVG, Säule 3a)? In diesem Leitfaden erhältst du eine klare Übersicht, inklusive praxisnaher Tipps, um Prämien zu senken, Deckungslücken zu vermeiden und langfristig die richtige Strategie zu wählen.
1) Krankenkasse (KVG/LAMal): Was alle in der Schweiz wissen sollten
Pflicht: Die Grundversicherung nach KVG ist für alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz obligatorisch. Der Abschluss muss in der Regel innerhalb von drei Monaten nach Zuzug erfolgen.
Leistungen: Ärztliche Behandlungen, Spitalleistungen im Wohnkanton nach allgemeiner Abteilung, Medikamente gemäss Liste, Mutterschaftsleistungen u. a.
Franchise & Selbstbehalt richtig wählen
Die Franchise ist dein jährlicher Fixbeitrag, den du vor der Kostenbeteiligung der Kasse bezahlst (bei Erwachsenen typischerweise CHF 300 bis CHF 2’500). Nach Erreichen der Franchise greift der Selbstbehalt (meist 10 % bis zu einem jährlichen Maximum).
Grundregel:
- Selten zum Arzt? Hohe Franchise (z. B. CHF 2’500) → niedrigere Prämie, aber höheres Risiko bei unerwarteten Kosten.
- Regelmässige Behandlungen? Tiefe Franchise (z. B. CHF 300) → höhere Prämie, aber geringere Eigenkosten.

Modelle vergleichen: Standard, Hausarzt, HMO, Telmed
- Standardmodell: freie Arztwahl, meist höchste Prämie.
- Hausarzt/HMO/Telmed: zuerst definierte Anlaufstelle; dafür spürbar tiefere Prämien.
Tipp: Wenn du flexibel bist und gerne mit einem festen Gatekeeper arbeitest, lohnt sich oft ein Hausarzt- oder HMO-Modell.

Zusatzversicherungen (VVG)
Zusatzversicherungen sind optional und decken z. B. alternative Medizin, Halbprivat/Privatspital, Brillen/Zahnleistungen, Auslandschutz. Beachte Gesundheitsprüfungen, Wartefristen und Kündigungstermine.
Sparstrategie: Buche nur Leistungen, die du realistisch nutzt – vieles lässt sich günstiger direkt finanzieren.

2) Unfallversicherung (UVG): Arbeitnehmende, Studierende & Selbständige
- Arbeitnehmende ≥ 8 Std./Woche beim selben Arbeitgeber: sind über den Arbeitgeber gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle obligatorisch versichert.
- < 8 Std./Woche, Studierende, Nichterwerbstätige: müssen den Nichtberufsunfall via KVG mitversichern.
- Selbständige: müssen selbst für UVG/Taggeld sorgen; zusätzlich kann eine Krankentaggeldversicherung (VVG) Einkommensausfälle abfedern.
Praxis-Check: Prüfe dein Pensum, damit du keine doppelte Unfalldeckung bezahlst oder Lücken hast.
3) Privathaftpflichtversicherung: Hohe Sicherheit, kleiner Preis
Die Privathaftpflicht ist gesetzlich nicht obligatorisch, wird aber dringend empfohlen. In vielen Mietverhältnissen ist sie faktisch Bedingung.
Deckung: Personen-, Sach- und daraus resultierende Vermögensschäden, die du Dritten zufügst (z. B. Wasserschaden in der Mietwohnung, Kollision mit dem Velo, Schäden durch Kinder/Haustiere je nach Police).
Empfehlung: Deckungssumme mindestens CHF 5–10 Mio.; Familienpolice prüfen, wenn Partner/Kinder im Haushalt leben.
Sparen: Mit Hausrat bündeln, Selbstbehalt moderat setzen.

4) Hausratversicherung: Dein Besitz zum Neuwert geschützt
Die Hausratversicherung ist nicht obligatorisch, aber sehr sinnvoll.
Deckung: Mobiliar, Elektronik, Sportgeräte, Kleidung etc. gegen Feuer, Wasser, Diebstahl, Elementarschäden.
Wichtig: Die Versicherungssumme muss zum Neuwert deines Inventars passen. Unterversicherung führt zu gekürzten Leistungen.
Optionen: Einfacher Diebstahl auswärts, Glasbruch, E-Bike/Fahrraddiebstahl, Wertsachenbausteine.
Praxis: Erstelle eine grobe Inventarliste (Zimmer, Geräte, Möbel, Sportausrüstung), um die Summe realistisch festzulegen.

5) Autoversicherung: Haftpflicht, Teilkasko, Vollkasko im Überblick
- Motorfahrzeug-Haftpflicht: obligatorisch – ohne Police keine Zulassung. Deckt Schäden an Dritten.
- Teilkasko: Deckt i. d. R. Diebstahl, Glasbruch, Hagel, Marderbiss, Elementarereignisse.
- Vollkasko: Enthält Kollisionsschäden am eigenen Fahrzeug; bei Neuwagen/Leasing meist empfehlenswert bzw. verlangt.
Tarif-Faktoren: Alter/Neulenker, Fahrzeugwert, Region, Kilometer, Parkart, Schadenfreiheitsrabatt, gewählte Selbstbehalte.
Tipp für Neulenker: Telematik-Tarife oder höhere Selbstbehalte können Prämien deutlich drücken.

6) Rechtsschutzversicherung: Wenn’s juristisch wird
Privat- und Verkehrsrechtsschutz unterstützen bei Streitigkeiten (Arbeitsrecht, Mietrecht, Kaufverträge, Strassenverkehr). Achte auf Wartefristen, Deckungssumme (z. B. ≥ CHF 250’000 pro Fall) und Geltungsbereich (CH/Europa/Welt).
Mehrwert: Telefonische Erstberatung, Kostenvorschüsse und Unterstützung bei der Anwaltssuche.

7) Vorsorge & Rente: Die 3 Säulen kurz und klar
- Säule 1 – AHV/IV (staatlich, obligatorisch): Existenzsicherung im Alter und bei Invalidität.
- Säule 2 – BVG (beruflich, obligatorisch für Angestellte ab Schwelle): Erhalt des Lebensstandards.
- Säule 3 – privat (3a/3b): Freiwillig. Säule 3a ist steuerbegünstigt (jährliches Maximum beachten) und bis zur Pensionierung bzw. definierten Zwecken gebunden.
Säule 3a optimal nutzen
- Früh starten: Je früher der Einstieg, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt.
- Anlagevariante: 3a-Fonds mit passender Aktienquote können langfristig mehr Rendite bringen; auf Kosten (TER) achten.
- Steuern sparen: Einzahlungen reduzieren das steuerbare Einkommen; splittest du mehrere 3a-Konten, kannst du die Auszahlung steuerlich optimieren.
8) So findest du die beste Police: Vergleich, Wechsel & Timing
- Krankenkasse jährlich prüfen: Prämien ändern sich; meist bis 30. November kündbar/wechselbar (Grundversicherung).
- Nicht nur Prämie vergleichen: Leistungsumfang, Franchise, Modell (HMO/Hausarzt/Telmed), Service, Spitallisten beachten.
- Bündeln & Rabatte: Hausrat + Privathaftpflicht + Rechtsschutz als Paket oft günstiger.
- Selbstbehalte clever: Wähle Selbstbehalte so, dass du sie im Schadenfall stressfrei tragen kannst.
- Dokumente organisieren: Policen digital ablegen, Fristen im Kalender, jährlicher Check-up.
9) Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest
- Zu tiefe Hausrat-Summe → Unterversicherung und gekürzte Leistungen.
- Keine Privathaftpflicht → hohes Alltagsrisiko, besonders als Mieter:in.
- Falsche Franchise → dauerhaft zu hohe Gesamtkosten.
- Doppelte Unfalldeckung bei Teilzeitpensum.
- Leasing ohne Vollkasko → finanzielles Risiko.
- Säule 3a nicht genutzt → verschenkte Steuerersparnis & Rendite.
10) Checkliste: Deine persönliche Versicherungs-Roadmap
- Krankenkasse (KVG) abschliessen/prüfen, Franchise & Modell passend wählen.
- UVG-Status klären (Pensum, Selbständigkeit, NBU-Deckung).
- Privathaftpflicht + Hausrat kombinieren, Deckungssummen realistisch.
- Auto: Haftpflicht obligatorisch; Teilkasko/Vollkasko je nach Fahrzeugwert.
- Rechtsschutz nach Bedarf (Privat/Verkehr).
- Vorsorge: BVG-Lücken prüfen, Säule 3a starten/optimieren.
- Jährlicher Vergleich & Fristen im Blick, Policen sauber dokumentieren.

FAQ (für Rich Results)
Ist die Krankenkasse in der Schweiz obligatorisch?
Ja. Alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz müssen eine Grundversicherung nach KVG/LAMal abschliessen.
Welche Franchise soll ich wählen?
Wenig Arztkontakte → hohe Franchise (z. B. CHF 2’500) spart Prämien. Häufige Behandlungen → tiefe Franchise (z. B. CHF 300) senkt Eigenkosten.
Brauche ich eine Privathaftpflichtversicherung?
Gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber dringend empfohlen und oft beim Mieten verlangt.
Wie hoch versichere ich meinen Hausrat?
Zum Neuwert deines Besitzes. Erstelle eine Inventarliste; Unterversicherung führt zu Kürzungen.
Welche Autoversicherung ist Pflicht?
Die Motorfahrzeug-Haftpflicht. Teilkasko/Vollkasko sind optional, je nach Fahrzeugwert und Risiko.
Was bringt mir die Säule 3a?
Steuerersparnis, gebundener Vermögensaufbau bis zur Pensionierung; mit Fondsvarianten ist langfristig mehr Rendite möglich (bei passendem Risikoprofil).
TL;DR (Kurz-Zusammenfassung)
- Pflicht: KVG-Grundversicherung, UVG über Arbeitgeber (je nach Pensum), Motorfahrzeug-Haftpflicht.
- Sehr sinnvoll: Privathaftpflicht + Hausrat; Rechtsschutz nach Bedarf.
- Vorsorge: Säule 3a früh und konsequent nutzen.
- Sparen: Richtige Franchise/Modellwahl, jährlich vergleichen, Pakete & Selbstbehalte optimieren.